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Andrea Schurian

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08
Jun

Biennale von Venedig: Löwen verteilt

Wenn Polizisten mit Vollvisierhelmen und Schlagstöcken durch das Biennale-Gelände paradieren; wenn alle Papierkörbe verschweißt sind und Polizeiboote die Kanäle aufwirbeln; wenn der Fußgängerstau vollends in Stocken gerät, weil Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano in einem Pulk aus Politikern, Biennale-Menschen und Sicherheitsbeamten durch die Pavillons rennt: Dann steht der Verleihung der Goldenen Löwen so weit nichts mehr im Wege. Eine halbe Stunde ist für den sympathisch unkomplizierten Festakt unter freiem Himmel anberaumt, Gewitterwolken am Horizont treiben zur Eile. Regen kommt keiner, die halbe Stunde wird unwesentlich überzogen. Zeit für Standing Ovations für die Preisträger bleibt allemal. Lennon-Witwe Yoko Ono und der Kalifornier John Baldessari, beide Konzeptkünstler und beide hoch in den Siebzigern, werden mit Ehrenlöwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Mehr als 90 Künstler aus 77 Ländern sind bei dieser Kunst-Weltmeisterschaft angetreten, Tobias Rehberger siegte in der Kategorie “bester Künstler”, offiziell mit dem Werk Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen. Doch die Jury wird wohl auch die Cafeteria im zentralen Ausstellungspavillon im Kopf gehabt haben, die der Deutsche (43) als Kantine und Kunstwerk gleichermaßen gestaltet hat.

Der Silberne Löwe für den künstlerischen Nachwuchs ging an die Schwedin Nathalie Djurberg (siehe Artikel unten). Im Ländermatch um den Titel “bester Pavillon” holten sich die USA den Goldenen Löwen.

Mit ihrer stringenten Einzelpräsentation des 67-jährigen Konzeptkunst-Meisters Bruce Nauman waren sie auf Nummer sehr sehr sicher gegangen. Das frischeste Werk im Pavillon - Three Heads Fountain - ist 2005 entstanden, das älteste 1967, die meisten Arbeiten datieren Mitte der 80er-Jahre. Nauman wurde übrigens schon einmal, 1999, als bester Biennale-Künstler mit einem Goldenen Löwen geehrt.

Der hagere, hochgewachsene Künstler ist überraschenderweise sogar zur Preisverleihung gekommen. Gesprochen hat er allerdings erwartungsgemäß kein Wort. Nur ein grashalmfeines Lächeln huscht über sein Gesicht, als er durch “seinen” Pavillon eilt. Und gleich wieder flüchtet. Er finde es schon unangenehm genug, seine Kunst öffentlich zu machen, sagte er einmal in einem Interview mit der Zeit. “Ich weiß nicht, was in der Ausstellung mit meiner Kunst geschieht, wie sie aufgenommen wird. Das macht mich nervös.”

Auch wenn das auf der Biennale durch den Löwen geklärt sein sollte, überlässt er das Reden auch diesmal lieber den Kuratoren Carlos Basualdo und Michael Taylor. Das American Dream Team hat die Lagunenstadt mit einem beachtlichen Nauman-Werkrückblick über die letzten 40 Jahre beglückt: außer in den Giardini auch in der Università IUAV in Santa Croce und in der Università Ca’Foscari am Canal Grande.

Standard: Ist es schwierig, mit einem Künstler wie Bruce Nauman zusammenzuarbeiten?

Basualdo: Überhaupt nicht. Es war eine sehr enge und wirklich großartige Zusammenarbeit. Er selber blieb drei Wochen in Venedig. Es ist uns wichtig, dass die Besucher einen richtigen Eindruck seiner Arbeit kriegen. Deshalb haben wir auch mit der Stadt Venedig zusammengearbeitet, mit der Universität und mit den Studenten. Es war eine wirklich große Herausforderung, auch logistisch, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber wir hatten ein wunderbares Team. Und ich denke, wir können mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Taylor: Bruce ist wirklich ein herausragender Künstler. Ich bin jedes Mal aufs Neue verblüfft, wie jung seine Arbeit aussieht.

Standard: Wie lange haben Sie am Projekt Biennale gearbeitet?

Taylor: Drei Jahre. Erst am Freitag vor einer Woche wurden wir fertig.

Standard: Haben Sie die Auszeichnung erwartet?

Basualdo: Natürlich träumt man davon. Es ist eine großartige Anerkennung für unsere Kooperation. Für unsere Arbeit. Vor allem aber natürlich für Bruces Werk.

Taylor: Nein, ehrlich gestanden nicht. Obwohl, Carlos hat es schon gesagt: Man träumt schon davon, wie toll es wäre. Es ist eine großartige Anerkennung für unser Land. Aber ich möchte betonen: Auch wenn der Pavillon ausgezeichnet wurde - es ist der Preis von und für Bruce. Ihm muss man gratulieren.

Standard: Eine One-Nauman-Show war andererseits nicht wirklich sehr riskant. Immerhin hat er schon einmal einen Goldenen Löwen bekommen.

Taylor: Riskant war die Auswahl nicht. Was wirklich riskant war, war die Arbeit mit der Universität und dass wir die Studenten in die Biennale involviert haben.

Standard: Was hat eigentlich Bruce Nauman gesagt?

Taylor: Nicht viel. Er äußert sich da wirklich nie. Er ist ein richtiger Künstler (lacht). Doch, er hat gesagt, dass ihm das Eis in Venedig schmeckt.

Veröffentlicht am, 8.6..2009 im Standard

 

 



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