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06
Jun

Biennale von Venedig: No day No Night

Sehen. Schauen. Gesehen werden. Eiserne Gebote, wenn alle zwei Jahre in den Giardini die Länder-Pavillons ihre Kunst-Weltmeisterschaftsspiele um den Goldenen Löwen austragen und sich im Arsenale sowie im “Palazzo delle Esposizioni” Künstler zum Weltenbauen treffen. Und nun auch noch abends Musik-Welten bauen.

Schlachtenbummler wissen: Schlappmachen gilt nicht. Im abendlichen Zeitloch zwischen Cocktails beim Intendanten der Bonner Kunsthalle, Robert Fleck, der fetzigen Party der Ukrainer im Palazzo Papadopoli und dem sehr entspannten Empfang der österreichischen Kulturministerin in einem lauschigen Innenhof steht im Teatro Goldoni die Opern-Uraufführung von Cerith Wyan Evans’ und Florian Heckers No day No night auf dem Programm: ein Biennale-Beitrag der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, kurz TBA 21. Also von Francesca Habsburg, Förderin, fast möchte man sagen “Gönnerin” der Künste.

Menschentrauben vor dem Theater, Luzia Braun ist mit ihren ZDF-Aspekte-Kameraleuten da, die Künstlerin Marina Abramovic, das Ehepaar Birnbaum selbstverständlich, Kulturjournalisten, Museumsleute, viele schicke Menschen. Dresscode für die Gala war schließlich “devastatingly elegant”. Nicht alle haben Karten - wie immer steigt die Nachfrage nach knappen Gütern ins Hysterische. Rote Köpfe, hektische Damen an den Schaltern. Doch wie sich später herausstellen sollte, waren freie Plätze gar kein so knappes Gut: Etliche Sitze blieben leer.

Oper: Musik mit Gesang und einer Geschichte - das spielt es bei den beiden Experimentalkünstlern, dem deutschen Sound-Artisten Florian Hecker und dem walisischen Avantgarde-Filmer Cerith Wyn Evans, natürlich nicht. “Ich habe nichts zu sagen. Und das sage ich”, sagt beispielsweise Evans, und das klingt nicht zufällig nach John Cage. Ihm fühlt er sich nahe. “Florian macht seines, ich meines. Und dann treffen wir uns irgendwo in der Mitte bei einem Punkt, an dem wir beide bei der Premiere auf ‘Play’ drücken. Das ist schon auch ein Wagnis”, so Evans.

Töne. Quietschen. Klangwolken. Scheppern. Klirren. Plätschern. Schleifen. Schrubben. Kratzen. Anklänge an Melodien. Weiße und schwarze Schatten mäandern und grieseln über die Leinwand. Monde, Traumbilder, Kugeln, Ballons, längliche Figuren erinnern vage an Robert Motherwell.

Ein Zuhörer fotografiert eine weiße Kugel mit dem Handy. Eine halbe Stunde später wird er seiner Begleiterin allerdings zuflüstern: “Das ist ja langweilig.” Das empfanden einige andere auch. Und gingen. Am Ende leicht ermatteter Applaus. Auch ein paar Bravo-Rufe.

Veröffentlicht am, 6.6..2009 im Standard

 



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