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24
Jul

Ingeborg Strobl: Einblicke, Eindrücke, Erinnerungen

Die Künstlerin Ingebor Strobl gab im Wien-Museum in einer kleinen, sehr poetischen Ausstellung Einblicke in ihr ganz persönliches Lebensumfeld. Ihre Fotografien, Schnappschüsse und Sammelstücke arrangierte sie zu einer Art Rauminstallation.

Berührendes, Banales, Absurdes, Lustiges, Wichtiges, Wehmütiges, Bellezza, Tristezza: Ingeborg Strobls Fotografien sind Fundstücke kleiner Welten. Ihre Aufmerksamkeit gehört dem vorgeblich Nebensächlichen, mit liebevollem Ernst und heiterer Gelassenheit dokumentiert sie die stille Zeitlosigkeit alles Vergänglichen, versieht die Fotodokumente mit erläuternden Texten: so sparsam wie möglich, nur keine Übertreibungen, kein Pathos, keine Schönfärbereien.

Ingeborg Strobl gibt dem Alltäglichen, dem Unscheinbaren, dem Lapidaren Würde und, im wahrsten Sinn des Wortes, Ansehen. Das ist große Kunst. Ihre Kunst.

Die 1949 in Schladming geborene Konzeptkünstlerin, die seit 1967 in Wien lebt, verweigert sich in ihrer Kunst wie im Leben konsequent Produktzwang und Konsumdiktat. Ausstellungen sind rar, dem Kunstmarkt misstraut sie, liefert ihm keine vermarktbare Handelsware.

Wie exakt sie für ihre Arbeiten recherchiert, zeigt sich auch bei der Gestaltung der U2-Station Ausgang Novaragasse: Die auf Emailplatten dargestellten (und in Wien vorkommenden) Pflanzen erinnern daran, dass die Novaragasse zunächst Garten-, später Gärtnerstraße hieß.

Kleiner feiner Streifzug

Liebes Wien, Deine Ingeborg Strobl nennt sie nun im Wien-Museum ihren kleinen feinen Streifzug durch ihr persönliches Wien. Gewährt Einblicke in ihr Leben und ihre Vorlieben. Stellt ihre Freuden und Freunde vor, die Leute der Remaprint etwa, oder das Lokal Freihaus, Treffpunkt der Kunstszene “und immer ein Ort mit Stil” und dessen legen-däre Gründer Ed Schulz und Michael Lohn. Die Speise- karte verblüfft selbst Zeitzeugen durch eine nachgerade unglaubliche Preisgestaltung: Almdudler – 22 Schilling. Café au lait – 30 Schilling.

“Ohne Konsumation: Kein rauchen (sic!)” oder “Zur Vermeidung von Unfällen bei Beckenwassersaugöffnungen, (sic!) empfehlen wir das tragen (sic!) von Badehauben für langhaarige Badegäste!!!”, hieß es etwa, grammatikalisch extravagant, auf zwei der vielen kuriosen Schilder, die sie im alten Stadthallenbad fotografiert hat. Zweimal die Woche zog sie dort ihre Runden, ehe das Bad 2010 zwecks Generalsanierung geschlossen wurde.

“Luxus und Genuss, noch nicht Sport, noch nicht Zwang – immer eine Freude”, schrieb sie und nahm die schäbigen Schönheiten des alten Bades auf, die grafische Eleganz der bunten Schlüsselbändchen; Stillleben aus Pantoffeln und zerknüllten Handtüchern; Putzeimer; Kinder am Beckenrand; Schimmelflecken; das Muster alter Kacheln; einen anrührend trostlosen Osterstrauß. Sie fotografierte, was ihr ins Auge fiel – und gefiel.

Etwa den Garten eines Gemeindebaus in Meidling, den sie entdeckte, als sie nach der Sperre des Stadthallenbads ins Theresienbad auswich. Sie dokumentierte das mittlerweile geschlossene Brunnen Beisl in Ottakring, Und sie setzte der aus Bulgarien stammenden “Frau Vili” in einem türkischen Lokal ein Denkmal.

Ingeborg Strobl sammelt und sortiert und ordnet: Zündholzschachteln, Ansichtskarten. Eindrücke. Und, vor allem, zu Herzen gehende Erinnerungen. (Der Standard, 22.7.2015)



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