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27
Sep

Nicht Oscar. OscART

Nicht miteingerechnet sind die tausenden HobbykünstlerInnen, die als Lokalmathadore einer treuen Klientel die Wohnzimmer mit Alpenglühn und Seelandschaften vollpinseln; und an deren Werken sich so sinnige Fragen entzünden wie jene, warum wohl ein paar hochmütige Kunstfritzen dieses noch farbfrische Sonnenblumenfeld kurzweg als Kitsch bezeichnen und jenes von Van Gogh als singuläres Meisterwerk. Und überhaupt, warum diese Strichistrichischmiererei auch nur ein Tüpfelchen besser sein sollte als purer Mumpitz. Und dann diese internationale Kunstmafia. Und überhaupt. Und also. Nein: sie gehören nicht zu jenen ca. 6000 Menschen, die in Österreich als Beruf „KünstlerIn” angeben.Tausende Menschen, die ihr Brot mit Kunst verdienen (wollen). Künstlersozialversichert - aber nur, wenn sie genug verdienen. Den Sammler, diese rare Spezies Mensch, suchen sie gemeinsam mit ihren GaleristInnen, werden von diesen - je nach Stall - als brave Haustierchen, anspruchslose Hungerkünstler, als rebellische Erfolgsmenschen oder bizarre Stars gehalten. Letztere (samt ihren Galerien) müssen sich bei der Sammlersuche natürlich nicht mehr ganz so anstrengen, Nachfrage vorhanden, dankeschön. Das sind zumeist die Lieblingskünstler der Kunsthändler. Nona. Sammler sind Einzeltäter, treten selten in Rudeln auf. Wer kauft schon regelmäßig mit einem Werk dem Künstler ein bisschen Butter aufs Brot? Und vor allem: wer sammelt nicht bloß Berühmtheiten der heimischen und/oder internationalen Kunstszene? Das (noch) Sperrige, das (noch) nicht Gängige, das (noch) Aufregende, Überraschende?Kurz: wer sammelt Kunst, statt bloß große Namen an die Wand zu nageln? Doch. Das tun einige. Tiefenscharf. Und/oder breitenwirksam. OscART-verdächtig. Ein Oscar für die Kunst, ja wirklich, gibt es in Wien schon seit sechs Jahren, vergeben vom Landesgremium Kunsthandel der Wr. Wirtschaftskammer, die Trophäe stammt jedes Jahr von einem anderen Kunstschaffenden, heuer von Marko Lulic. Am Montag wurden die OscARTs verliehen: an Johann Kräftner, Direktor des Liechtenstein Museums, die Galeristinnen Helga Krobath und Barbara Wimmer sowie an die Antiquitätenhändlerin Ilse Lehner-Dorner. Und dann wurden die Sammelleidenschaften von Ernst Ploil, Rechtsanwalt, und Horst Köhn, Nuklearmediziner, mit einem OscART prämiert. Beides Sammlungen vom Feinsten, ein betörender Mix aus Stars und Nonames, wobei: wer das Auge schult, kriegt den guten Blick. Bei vielen unbekannten Talenten geht die Karrierekurve steil nach oben, Wertsteigerung inbegriffen. Vieles am Kunstmarkt ist gut, nicht alles teuer. Daher, verehrte Damen und Herren, werden auch Sie aktiv. Nein, ich meine nicht bloß die sonntäglichen Wandertage durch die Museen, vorbei an barocker Üppigkeit und berühmten Klassikern, an großen Namen und alten Meistern. Ich kann Ihnen nur aus eigener Erfahrung raten: wagen Sie’s. Lassen Sie sich ein auf das Abenteuer Kunst. Was Sie davon haben? Keine Aktie an der Wand. Aber vielleicht Freude für’s Leben. Einsichten. Und gute Aussichten. Auf einen OscART, beispielsweise.



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