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Andrea Schurian

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28
Feb

Kinder: Fehlinvestition?

Vereinbar ist einfach so  und so einfach gar nichts. Ja, und im übrigen  langweilt mich die Debatte über Vollzeitmütter und Nurhausfrauen - und welch unbezahlbare Gesellschaftsarbeit zweitere leisten. Das tun berufstätige Mütter auch, erziehen Kinder, führen Haushalt. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass  sie zwischendurch null Zeit für Exkursionen ins Kaffeehaus oder Fitness-Center  haben.  Deutsche (Ex-)TV-Moderatorinnen klinken   sich  neuerdings besonders häufig in diese Debatte ein.  Noch in Erinnerung Eva Hermanns lockengewickelte Hausfrauenphilosophie: stets lächelnd und gut gekämmt,  ein Liedlein auf den Lippen, ein Kindlein an der Hand, wandert  frau durchs patriachale Märchenland (wo die schönen Jünglinge blühen und  reiche Ehemänner auf den Bäumen wachsen). Die deutsche Literaturkritikerin  und TV-Moderatorin Iris Radisch hat einen scharfsichtigen  Gegenentwurf nachgereicht: „Die Schule der Frauen. Wir wir die Famlie neu erfinden.” Die dreifache Mutter schreibt Klartext: „Nur anderthalb Prozent der Väter bescheiden sich aus familiären Gründen mit einer Teilzeitstelle, während genau dies über fünfzig Prozent der Mütter tun.” Die Zukunft liege weder  in einer größeren Verweiblichung noch in einer größeren Vermännlichung der Frauen, sondern:  „Die Männer müssen sich bewegen, sie müssen die männliche Hälfte der Welt mit uns teilen und die weibliche endlich erobern.” Die Mutti-kocht-Vati-arbeitet-Familienidyllen  sind passé. Was nun?

„An den evolutionären Grundgesetzen kommt man ohne Folgen nicht vorbei. Die Natur rächt sich an der Moderne, den hemmungslosen Einsatz der Pille bestraft sie mit Engpässen in der Rentenfinanzierung” schreibt Radisch. Und sie schreibt auch: „Kinder sind statistisch betrachtet inzwischen etwas für die niederen Stände. Hässlich gesagt: Kinder sind heutzutage im Großen und Ganzen etwas für die Dicken und Doofen.” Und daher wohl nichts für Ministerinnen.

Auch wenn, nein: gerade weil  es mich immer wieder unangenehm berührt, dass  FamilienpolitikerInnen über  Kinder nur als  einen in die Zukunft transferierten Geldwert  sprechen: rein ökonomisch gesehen sind Kinder  tatsächlich eine Fehlinvestition. Hätte ich keine Kinder, ich wäre reich, hätte ein Minus im Gesichtsfaltenbereich und dafür ein Plus auf der Bank. Aber dann gibt es da noch diese völlig irrationale Komponente namens „Liebe”:  Würde ich meine  Kinder nicht so innig  lieben - naja, da könnte mir schon die eine oder andere Party abgehen, von beruflichen Erfolgserlebnissen - ungehindert die Karriereleiter rauf statt runter - gar nicht zu reden. Außerdem ist diese Variante der privaten Altersvorsorge die denkbar  kostspieligste Möglichkeitsform.  Würden wir das, was wir  für Schule, Kindergarten, Babysitter, Ausstattung, Ferien, Freizeitvergnügen, Nachmittagsbetreuung, Sprach-, Sport-, Musik- und Theaterkurse etc. täglich, monatlich, jährlich  hinblättern, direkt  in eine private Pensionskasse einzahlen, meine Herrschaften! Unser Lebensabend wäre  echt sehr gehoben. Und, äh: Bin ich jetzt dick? Oder doof? Nächsten Donnerstag ist Frauentag.



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