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24
Jul

Einsame Spitze: Frauen an Universitäten

Damit das auch einmal gesagt wäre: unsere Urururururenkelinnen haben wirklich schöne Zukunftsaussichten. Wenn’s denn so schön langsam weitergeht mit Frauenkarrieren an den heimischen Un iversitäten,  dauert es nämlich hochgerechnet  eh nur  mehr läppische 910 Jahre, bis im Jahr 2917  endlich  gleich viel  Frauen wie  Männer in Österreich eine Universitätsprofessur  innehaben werden. So gesehen hat dieser Sommer  echt  vorbildlich  begonnen. In Wahrheit ist es kaum  zu glauben, aber wahr, dass erst heuer, im Juli 2007!!  120 Jahre, nachdem die erste Frau an einer österreichischen Universität zum Studium zugelassen wurde, zum ersten Mal!  eine Frau! an die Spitze einer österreichischen! Universität  gewählt wurde. Mit dieser geradezu kulturrevolutionären Entscheidung  ist Österreich einen Millimeter mehr  ins  3. Jahrtausend und  Ingela Bruner  vermutlich ans Ziel ihrer beruflichen Träume vorgerückt. Die neue Rektorin an der Wiener Universität für Bodenkultur hat auch  als erste Frau in Österreich ihren Doktor  in  Maschinenbau gemacht.Eine Pionierleistung, denn noch in den  1970er Jahren war die Entscheidungshoheit über Familien- und Erziehungsfragen per Gesetz rein  männlich;  der  Mann war  das unumschränkte Oberhaupt im trauten Heim,  die Frau das Heimchen, Hausfrau und Mutter. Wollte  sie einen Beruf ausüben, brauchte sie die Zustimmung des Ehemanns.

Erst 1983   fiel übrigens das „Heiratsverbot” für geschiedene Frauen  und erst damals wurde auch Vergewaltigung innerhalb der Ehe strafbar.

Frauen sichtbar machen, heißt ein Projekt der Wiener Frauenstadträtin.  Nicht, dass wir Frauen tatsächlich  unsichtbar wären. Wir sind auch nicht, wie als allgemein bekannt vorausgesetzt werden darf,  in der Minderheit, daher auf keinen Fall das mindere Geschlecht. Oder etwa  Minderleister - ganz im Gegenteil. Allerdings scheint  es so, dass die Gesellschaft, oder,um genau zu sein: die männliche Minderheit dieser Gesellschaft, ganz gern über uns hinwegschaut. Uns nicht wahrnimmt. Gläserne Decken einzieht.  Oder sich auf eine Damenklofrage kapriziert, wie seinerzeit die Wiener Philharmoniker.  Die Häuslfrage wurde geklärt, der langjährige Vorstand und Frauenverhinderer Werner Resel legte empört seine Funktion zurück, weil  Österreichs berühmtester Klangkörper seit 1997 auch Frauen mitspielen lässt. Heuer ist also 10jähriges Jubliäum, die Frauenquote bei den Philharmonikern  ist dramatisch - niedrig: eine fixe Musikerin, zwei Substitutinnen. Dirigentinnen? Ja. Eh.  30 Prozent der österreichischen AbsolventInnen von Instrumentalstudien sind weiblich, aber nur ca 10 Prozent dürfen in österreichischen Orchestern musizieren. In den USA ist der Frauenanteil drei- bis viermal so hoch. Ähnliches, Leute, ist aus dem Bereich bildende Kunst zu vermelden. Männer mit Geld und Macht sammeln Männer, die Kunst machen, auch wenn die Kunststudierenden mehrheitlich weiblich sind.  Womit wir wieder elegant  an die Universitäten zurückgekehrt wären. Im Durschnitt aller   Studienabschlüsse halten Frauen  einen - wenn auch knappen - Vorsprung vor ihren männlichen Kollegen. Ab da  nimmt der Frauenanteil an den Universitäten rapide ab.  Nur mehr ca. 30 Prozent der Assistenzstellen sind mit Frauen besetzt,  bei den ProfessorInnen sind es gar unter  10 Prozent.   Wenig verwunderlich, dass in einer EU-Studie  Österreich den vorletzten Rang  in Sachen Frauen-Anteil in der Forschung einnimmt. Macht nix, bekanntlich vergehen ja 900 Jahre wie im Flug und dann:   siehe Anfang. Langfristig gesehen haben wir Frauen echt super Zukunfstaussichten.



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