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Andrea Schurian

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13
Mrz

Die kleinen Mozarts

In ihren Antrittsinterviews als Überraschungs-Ministerin für Unterricht und Kunst sagte Claudia Schmied flächendeckend so schöne Sätze wie: „In jedem von uns steckt ein kleiner Mozart.” Hallöchen! Liebe Frau, sagen Sie das mal ihrer Wiener Parteifreundin Grete Laska, Stadträtin für Jugend, Bildung, Information und Sport und zuständig für Wiens Musikschulen. Schlappe 30 davon gibt es in unserer schönen Bundeshauptstadt und die platzen aus allen Noten, äh, Nähten. Und daher hagelt es Absagen in sonder Zahl. Tränen, Frust, Musiklustverlust? Nicht so schlimm, findet Frau Laska und unterstellt den Eltern übertriebenen Ehrgeiz, weil, aufgepasst Frau Ministerin Schmied, die ja in ihren Kindern „immer gern den kleinen Mozart” erkennen wollen. Soll vermutlich heißen: Schluss mit bildungsbürgerlicher Attitüte und kulturdemokratischem Gesülz! Geige und Klavier war vor 200 Jahren. Heutzutage tut’s Topfklopfen auch.

Im Zuge der Effizienzsteigerung sollten wahrlich nur mehr hochbegabte Musikgenies an die Instrumente. Und im übrigen, die mit Geld leisten sich eh Privatunterricht.

Ja, und ist Wien nun bitteschön immer noch eine Weltstadt der Musik? Oder reicht es, in der Vergangenheit herumzumozartln? Studien des Musikpädagogen Hans Günther Bastian zufolge können Kinder, die ein Instrument lernen, nach drei Jahren ihre Intelligenzleistungen und vor allem das räumliche Vorstellungsvermögen verbessern, sie sind aufnahmefähiger, sozial kompetenter und selbstbewusster als nichtmusizierende Gleichaltrige. Ich nehme an, die UuK-Ministerin weiß das mittlerweile auch und hat mit ihrer Wiener Parteifreundin längst ein paar Takte Klartext gesprochen. Andererseits, und das ist halt wieder eine knifflige Frage, sind so schlaue, kompetente und selbstbewusste Kinder vielleicht eh nicht wirklich erwünscht. Hunderte Wiener Volksschulkinder haben - noch - keinen AHS-Platz, obwohl sie alle vorausgesetzten „Sehr guts” im Zeugnis vorweisen können. Irgendwo, so werden Eltern und Kinder vertröstet, werden sie schon unterkommen. Und die kinderfreundliche Idee von der Wunsch-AHS und die Sinnhaftigkeit von den Tagen der offenen Türen und Chancengerechtigkeit und gleiche Bildung für alle? Damit diese Fragen ja nicht von engagierten SchuldirektorInnen beantwortet werden, hat Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl den SchulleiterInnen vorsichtshalber einen Maulkorb umgehängt. Also alles bestens hier in Wien.

Oder, eigentlich, doch nicht so wirklich. Wie Sie es mit der Abschreibbarkeit von Kunstankäufen halte, wollte die „Presse” von der UuK-Ministerin wissen. Und die machte draus ein halblustiges Quiz: „Wann ist ein Kunstwerk ein Kunstwerk?” Und: „Wann ist ein Künstler ein Künstler?” Ganz lieb. Echt! Auflösung folgt das nächste Mal.



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