China mit Kindern, Shanghai, Ningbo, Maglev | Andrea Schurian Schurian,Andrea+Schurian,

Andrea Schurian

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07
Nov

China: Lost in Translation

Lass doch die Kinder in Wien, haben mir meine Freunde geraten. Sie werden es nicht mögen: das Essen, die Sprache, die andere Kultur. Nimm die Kinder mit, hat mein Mann gemeint, der für ein paar Monate als artist in residence ins Museum von Ningbo, südlich von Shanghai, eingeladen war. Sie werden es mögen: das Essen, die Sprache, die andere Kultur.

Und jetzt sitzen wir also im Maglev, der schnellsten Magnet-Bahn der Welt und rasen mit bis zu 400 km/h vom Airport ins Zentrum von Shanghai, die vorbeiflitzende Landschaft so trostlos wie alle Strecken von Flughäfen in Innenstädte. Wirklich spannend ist nur die Geschwindigkeitesanzeige über der Tür. Und die Schräglage in den Kurven.

„Ich freu mich so”, hatte mein 10jähriger Sohn Theodor seiner Lehrerin vor der Abreise erklärt: „Wir nehmen den schnellsten Zug der Welt und sind in 10 Minuten in Shanghai.” Ein bisschen frustriert war er dann allerdings schon, dass dieser Zug nicht zwischen Wien und Shanghai verkehrt; und dass diesem Hochgeschwindigkeitsvergnügen ein zehnstündiger Flug vorausgehen würde.

Lost in Translation. Nicht nur mit Kinder ist eine China-Reise eine Reise ins Reich der Missverständnisse, wo wir aber doch immer wieder unsere Mitte finden. Und unser Talent für Chaos entdecken. Müssen.

Um uns tobt der Verkehr, unentwegt hupt und klingelt und knattert es, Bremsen kreischen, „hier ist alles anders. Autos haben immer Vorrang. Also aufpassen!” wird meine achtjährige Tochter Rosa am ersten Abend in ihr Reisetagebuch schreiben und auch: „Die Menschen sind arm in diesem Viertel.” Eng an eng schäbige Plattenbauten, Verputz bröckelt von den Wänden, Kinder lärmen in dunklen Hinterhöfen.Todesmutig schlängeln sich schwerbeladene Fahrräder durch den Stoßverkehr - und Stoßverkehr herrscht in Shanghai rund um die Uhr. Im Laufschritt werden Leiterwagen und Rikschas durch das Straßengewirr gezogen, so schmal sind manche Gassen, dass wir das Gefühl haben, durch fremde Wohnzimmer zu tappen. In Garküchen brodeln Suppen auf Kerosinkochern. Köstlichste Gerüche frischer Speisen, Bezingestank und Abfall ergeben eine bemerkenswerte Duftmarke . Am Gehsteig werden Frösche geköpft und gehäutet, das geht huschhusch, und, iiiiiih, schau mal Mami, dort drüben werden Aale auf Nägel aufgespießt und dem Huhn der Kopf abgehackt. Männer, Frauen und Kinder lächeln und winken und verkaufen Meeresfrüchte und Frösche und Schlangen, Fleisch, Innereien, Gemüse und, als besondere Spezialität, getrocknete Tierpenisse.

Nein, nicht im neureichen Pudong mit seinen imposanten Wolkenkratzern und glitzernden Bürotürmen sind wir an unserem ersten Tag in Shanghai unterwegs. Wo heute der chinesische Modernisierungstraum von den weltbesten Architekten verwirklicht wird und die internationale Hochfinanz residiert, war vor kaum mehr als zehn Jahren nichts als sumpfiges Ackerland. Wir mischen uns auch nicht unter Shanghais Jeunesse Dorée in der French oder British Concession mit den eleganten Kolonialbauten und schicken Restaurants und angesagten Bars. Wir flanieren - noch - nicht am Bund, dem Prachtboulevard entlang des Huangpu River, wo frühmorgens junge Frauen und alte Männer mit den fließenden Bewegungen des Taiji, der jahrhundertealten Kunst des Schattenboxens, eine längst vergangene Epoche heraufbeschwören , ehe ohrenbetäubender Verkehrslärm und betuchte Touristenherden die Idylle beenden. Hinter den imperialen Fassaden am Bund nahm 1965 die Kulturrevolution ihren Ausgang und, Ironie der Geschichte, hier prägen heute wieder noble Haute Couture-Läden, Luxushotels, internationale Versicherungen und Banken das Straßenbild. Wir pirschen nicht kaufrauschig durch den berühmten Fälschermarkt auf der Suche nach dem ultimativen Schnäppchen. Donna Karan, Prada, Gucci, Hilfiger zu Schleuderpreisen - da lacht das markengierige, aber sparefrohe Herz. Xintiandi, das ehemalige Arbeiterviertel, wo 1921 der erste Kongress der kommunistischen Partei stattfand und heute die teuersten Boutiquen der Stadt residieren, lassen wir am ersten Tag links liegen, ebenso das hippe Künstlerviertel in der Moganshan Road. Hier drücken einander Museumsdirektoren aus dem Westen die Türschnallen in die Hand; was in den ehemaligen Fabrikhallen gemalt wird, wird mit ein bisschen Glück am internationalen Kunstmarkt als brandheiße Ware gedealt.

Nein. Überall da sind wir nicht. Unsere China-Reise beginnt nördlich des Suzhou-Flusses, dort, wo all jene wohnen, die vom entfesselten Wirtschaftsboom nichts haben außer der Angst, dass auch ihr Haus abgerissen wird, um einem weiteren Prestigeobjekt Platz zu machen.

Ob wir verrückt geworden sind? Theodor, üblicherweise so cool wie Zehnjährige eben cool sein können, fühlt sich ziemlich unlocker. „Keinen Schritt gehe ich mehr weiter”, Tränen glitzern in seinen Augen, ängstlich schiebt sich seine Hand in meine: „Wir werden uns verirren. Ihr spinnt ja”, bockt er und hat nicht ganz unrecht. Die chinesischen Zeichen auf den Straßenschildern helfen uns nicht weiter, englische Aufschriften gibt es hier nicht. Begleitet von fröhlichem Kichern weisen uns Chinesen hierhin und dorthin, eingetaucht in einen Schwall unverständlicher Laute und Klänge und Wörter entfernen wir uns immer weiter von der westlichen Zivilisation, tauchen immer tiefer ein in eine fremde Welt. Der Weg ist das Ziel. Vor fünf Stunden erst sind wir in Shanghai gelandet, haben unsere Koffer im Hotel abgestellt, da war unserem Sohn noch zum Scherzen zumute: „Hier hatte 2Stein gewohnt. Ich meine natürlich 1Stein”, kritzelte er in sein Tagebuch, ehe er von uns Eltern in die harte chinesische Wirklichkeit gestupst wurde. Und jetzt regnet es in Strömen. Und wir haben Hunger. Also rein in die nächstbeste Kneipe.

Grindiges, zerknittertes Plastik über grünkarrierten Tischtüchern. „Da essen wir nicht, das ist ja ekelig”, konstatieren Rosa und Theodor unisono. Kann ich irgendwie verstehen, also ziehe ich das Plastikzeugs vom Tisch, was wiederum dem Wirt nicht gefällt. Weil nämlich: Hühnerknöchelchen und Garnelenschalen und Bambusfäden und Flaxen und Essensreste werden einfach auf den Tisch. Gespuckt. Immer, nicht nur in einfachen Lokalen. Selbst im Frühstücksraum unseres Hotels hat eíne ausnehmend hübsche junge Chinesin ganz selbstverständlich auf den Boden. Ja genau. Die chinesische Regierung hat viel zu tun, wenn sie ihrem Volk bis zu den Olympischen Spielen in Peking das Spucken abgewöhnen möchte. Alles eine Frage der Kultur, meint indes ein chinesischer Künstlerfreund meines Mannes. Der finden es nämlich mehr als gruselig, dass wir vollgeschneuzte Taschentücher im Hosensack spazieren tragen.

Großartig, dass wir nicht immer schmatzen und schlürfen und spucken und rülpsen, sagt mein Sohn, der in Österreich gern die Sinnhaftigkeit von Manieren in Frage stellt. Und dann noch Stäbchen statt Messer und Gabel. Und Shrimps und Pilze und gebratener Aal, wir deuten auf die Speisen, die in der offenen Küche zubereitet werden, die Kügelchen am Spieß entpuppen sich beim Verkosten als Hühnerherzen. Ich vertraue darauf, dass Schlange und Hund nicht unter den Spezialitäten des Hauses sind.

„Das Essen am 1. Tag hat mir nicht geschmeckt”, lautet Rosas lapidarer Kommentar. Es sollte die letzte Beschwerde dieser Art sein. Denn schon ab dem zweiten Tag hantieren die beiden ganz selbstverständlich mit den Stäbchen - auch in besseren Restaurants, wo man uns Langnasen vorsichtshalber Löffel und Gabel serviert,; mutig probieren sie unbekannte Speisen, knabbern frittierte Entenzungen statt Chips, nagen zwischendurch statt Wiener eben ein China Schnitzerl am Stiel.

Die explosive chinesische Mischung aus Turbokapitalismus und Turbokommunismus ist nirgends so offenbar wie in Shanghai: aufregend, glamourös, pulsierend, Touristenattraktion und führende Finanz- und Industriemacht, Symbol des modernen China einerseits; verschrammt, bitterarm, unterentwickeltes Dritteweltland, Opfer der kulturrevolutionären Vergangenheit andererseits. Noch Anfang der 1990er Jahre gab es vielleicht zwanzig Hochhäuser in der Hafenstadt, heute sind es bereits zweitausend, Tendenz rasant steigend. Galt Shanghai früher als das „Paris des Ostens”, so rittert es nun mit New York um die schönere Skyline. Mit mehr als 16 Millionen Einwohnern ist es die größte Stadt Chinas, eine verwirrende Megacity der Superlative. . Alles, behaupten die Shanghaier stolz, ist in ihrer Stadt am besten, höchsten, schnellsten, größten, aufregendsten, ungewöhnlichsten. Oder wenigstens fast. Maglev, schnellste Magnetbahn der Welt; Oriental Pearl Tower, höchster Fernsehturm der Welt; Jin Mao Tower, dritthöchstes Gebäude der Welt; und „Ocean World”, größtes Aquarium Asiens. Auf Rolltreppen tauchen wir wir hinab in die riesige Unterwasserwelt, gleiten auf Förderbändern durch die 155 Meter langen Unterwassertunnels, beobachten Taucher bei der Haifischfütterung, über und neben uns zum Angreifen nah bunt schillerndes Seegetier, tausende Fische aus fünf Ozeanen, Riesenschildkröten, weiße Haie. Nach dem Kulturschock des ersten Tages sind wir nun auf kindertauglicherer Entdeckungstour. Nur die Aussichtsplattform auf dem Oriental Pearl Tower, 300 Meter überm Erdboben, sollten höhenängstliche Menschen wie ich aber lieber auslassen. Der Smog wirkt von oben auch nicht viel besser als von unten.

Dafür schaut der Nanshi-Südmarkt endlich!, „endlich so aus, wie ich es mir vorgestellt habe: rot geschwungene Dächer, Pagoden, Holzstiegen, keine Wolkenkratzer”, jubelt meine Tochter. Old Town ist eine Art Disneyland auf chinesisch, mit jeder Menge Restaurants und einem riesigen Basar mittendrin: chinesische Kleider, Tand, Tee, Gewürze, Obst, Stoffe, Schmuck, mit roten Bäckchen sausen Theodor und Rosa von Verkaufsstand zu Verkaufsstand, shop till your parents drop. Beladen mit Spielzeug, Chrysanthementees, Gewürzen sowie jeder Menge „Mami, das ist ein tolles Geburtstagsgeschenk für meine Freundinnen” schlendern wir durch den einzigen restaurierten klassischen chinesischen Garten in Shanghai: der Yuyuan Garden ist herausragendes Beispiel für die hohe Gartenkunst der Ming-Epoche und außerdem ideal zum Versteckenspielen für die Kinder. Kleine Felsen. Verschlungene Wege. Lauschige Plätze. Tempel. Steinfiguren. Drachen als fernöstliche Klettergerüste. „Alle Drachen halten eine Kugel im Maul oder in der Pfote. Erd- oder Zauberkugeln, schätze ich” schreibt Theodor. Auf Gaohus, den typischen zweisaitigen Kniegeigen, spielen pink gekleidete Chinesinnen- „Mami, wirklich unsretwegen?” - Muss i denn, mussi i denn zum Städtele hinaus?

Tasächlich wollen wir zum Städtele hinaus, gleichzeitig mit uns will das offenbar halb Shanghai. Beängstigende Menschendichte auf dem Bahnhof. Chinesen lachen gern, übertrieben höflich sind sie nicht. Schieben, rempeln, drücken, rammen, schreien, alle wollen gleichzeitig in den Zug; schweißgebadet, Kinder und Gepäck dicht an uns gepresst, sinken wir auf unsere vorreservierten Sitze. Gottseidank haben wir „weich sitzen” gebucht; wie hart muss erst „hart sitzen” sein. „Die Menschen reisen mit Töpfen voller Essen, als ob sie Angst vorm Verhungern hätten”, bemerken die Kinder. Bald schon riecht es im Zug wie in einer Großküche, die Zugbegleiterin geht mit einem Heißwasserkessel durch die Waggons, Fertigsuppen und Nudelgerichte werden aufgebrüht, Reispäckchen ausgepackt, Gurken geschnipselt und vor allem: jede Menge Tee geschlürft. Und die Teeblätter, erraten: auf den Boden gespuckt.

Aodili ren, Österreicher!, das scheinen alle hier ausgesprochen lustig zu finden. Aodili ren? Shi! Ja. Eifriges Nicken, Lachen. Schulterklopfen. Und dann noch zwei Kinder im Einkindland China! Haut und Haare der beiden haben es unseren Mitreisenden angetan, verlegen lassen sich Theodor und Rosa bestaunen und betatschen. So fühlt es sich also an, wenn man anders ausschaut. Reisen bildet fürs Leben. Und die Kinder verstehen rasch. Unter Anleitung aller Weichsitzer im Zug üben wir auf unserer vierstündigen Fahrt nach Ningbo die chinesischen Handzeichen für Zahlen. Dies und Nicken und Lachen: viel mehr an Kommunikation ist nicht drin. Englisch spricht - außer in intellektuellen Kreisen und Universitätszirkeln - kaum jemand aus der Generation 40plus. Fremdsprachen wurden während der Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 als anti-maoistisch verboten, Schulen wurden geschlossen, Millionen Menschen verschleppt und getötet. Und? In den Lehr- und Geschichtsbüchern wird diese dunkle Zeit in drei bis vier kryptischen Sätzen abgehandelt. Der große Vorsitzende prangt immer noch auf den Geldscheinen,. nach wie vor gilt das Reich der Mitte als das Land mit den größten Überwachungsmechanismen, über Mao will sich niemand öffentlich äußern. „Wir wollten 2006 eine kritische Ausstellung zu 40 Jahren Kulturrevolution machen”, erzählte uns ein Galerist aus der Moganshan Road bei seiner Vernissage : „Aber das wurde von zentraler Stelle sofort abgedreht.” Von zentraler Stelle wurde während der Vernissage auch plötzlich das Licht in allen Lofts abgedreht, weil eine Galerie vermeintlich subversive Kunst gezeigt hatte . Kurzer Prozess: das hat in China immer noch Tradition, nach wie vor gilt es als das Land mit den perfektesten Überwachungsmechanismen. Die gleichgeschalteten Medien müssen sich an Vorgaben der staatlichen Propaganda-Abteilung halten. Und da fällt mir auf: niemand im Zugabteil hat Stöpsel in den Ohren, keine Walkmen, keine Radios, kein Ipod. Und am Fenster ziehen auch keine sattgrünen Reisfelder vorbei, keine fröhlichen Bauern mit breiten Strohhüten, keine Wassserbüffel; Dörfer und Landschaft sind schmerzhaft hässlich. Und natürlich schauen die Kinder nie aus dem Fenster, wozu auch, maulen sie, Wiese ist Wiese. Und endlich sind wir da , zai jan, auf Wiedersehen, lächeln, winken, drängeln, schubsen, wie das Ein- und Aussteigen bei Zügen funktioniert, habne wir rasch kapiert.

„Ruhige Welle” bedeutet der Name Ningbo auf deutsch - und verglichen mit dem hektischen Shanghai erscheint uns diese ostchinesische Küstenstadt tatsächlich ein bisschen wie St. Pölten im Vergleich zu Wien: ruhig, gemächlich, angenehm.Für chinesische Größenverhältnisse ist Ningbo vermutlich eine mittlere Kleinstadt mit seinen läppischen 5 Millionen Einwohnern. „Die Autos haben auch hier immer Vorrang. aber trotzdem ist es nicht so laut”, vermerkt Rosa erleichtert in ihrem Reisebuch: „Ich bin sehr glücklich.”

Egal, wo wir sind: ob wir uns durch das alte Arbeiterviertel treiben lassen, dem Labyrinth staubiger Wege folgen und schließlich in einem Hinterhof landen, auf Ningbos Lebendgeflügelmarkt nämlich, vollgerammelt mit Kisten und Käfigen voller Federvieh und wo wir fasziniert das Handeln und Feilschen beobachten, bis, ja bis uns die Gefahr der Vogelgrippe bewusst wird; ob wir den Aussichtsturm erklimmen oder die im Bazar gerade ihre Talent zum Feilschen entdecken; ob wir in einer Nudelküche sitzen oder ob wir den riesigen Food Market besuchen, diesem wahrlich überwältigenden Gesamtkunstwerk aus Farben und Düften und Geschmacksrichtungen - ganz egal jedenfalls, wo wir sind: das Abendprogramm bestimmen unsere Kinder. Punkt neun müssen wir auf dem riesigen Tianyi-Platz sein, schon von weitem dröhnt uns klassische Musik aus der Konserve entgegen; in pastellenes Licht getauchte Wasserfontänen schießen in die Höhe, „in bunten Tütüs tanzt das Wasser und springt und spritzt ganz hoch” schreibt Rosa. Und um uns bildet sich ein kleiner Menschenauflauf, der rasch größer wird, aodili ren!, Österreicher, welch Sensation, die einzigen westlichen Menschen weit und breit, hemmungslos starren uns die Chinesen an, lachen, staunen, jeder will wenigstens einmal über Rosas Haar streicheln und Theodors Wangen kneifen. Und wie, bitteschön, lösen wir diese Situation, ohne unhöflich zu sein? Lächeln? Langsam weitergehen? Mit den Schultern zucken? Da strahlt uns ein kleiner chinesische Junge an:„They all find you so beautiful”, sagt er. Und wir alle lachen erleichtert auf, Verständigung geglückt, xiexie, danke.

Nach der nördllicher gelegenen Teestadt Hangzhou ist Ningbo die zweitwichtigste Stadt der Provinz Zhejiang. Aber anders als Hangzhou, das den Chinesen als Himmel auf Erden gilt und dessen berühmter Westsee schon von den Dichtern der Song-Dynastie besungen wurde, spielt Ningbo im städtischen Schönheitswettbewerb nicht unbedingt in der ersten Liga. Aber immerhin: es hat ein brandneues Museum für moderne Kunst in allerbester Flusslage, Vorbote der gigantischen Museumswelle, die in den nächsten Jahren China überschwemmen soll: rund 1000 Museen sind bis 2015 landesweit geplant. Was dem Museum in Ningbo nur noch fehlt, ist: zeitgenössische Kunst, sieht man von den internationalen Gastkünstlern ab, die, wie mein Mann, für jeweils drei Monate in den Ateliers des Museums leben und arbeiten. Die Direktoren des Ningbo Museum sind eher in der Kommunistischen Partei verankert als im internationalen Kunstgeschehen: „Das Prinzip - Man soll mit Leib und Seele dem Volk und dem Sozialismus dienen - wird gut eingehalten”, heißt es auf der offiziellen Homepage. Die Kunsthochschule liegt weit außerhalb, die Studierenden kommen selten in die Stadt und wenn schon, dann fahren sie lieber gleich nach Shanghai, ins schillernde, puslierende, laute Machtzentrum chinesischer Zukunftshoffnung.

90 Minuten Busfahrt und ebenso lange mit dem Schnellboot : drei Stunden und eine Ewigkeit von Ningbo entfernt liegt Putuoshan Island im Gelben Ozean. Das kleine Inselchen ist idylllischer Urlaubsort für gestresste Manager und spiritueller Kraftplatz für Buddhisten: ein paar Hotels, kilometerlange Sandstrände, himmlische Ruhe, wilde, raue, festzerklüftete Landschaft, unzählige, atemberaubend schöne Tempel und Klöster, steinerne Fabelwesen, Statuen von Buddha und der Gnadengöttin Guanyin, die der Legende nach auf dieser Insel erleuchtet wurde. Putuoshan, höchste Erhebung und Namensgeber der Insel, ist einer der vier heiligen buddhistischen Berge Chinas. Süßliche Duftschwaden wabern durch den Tempel, Gläubige entzünden dicke Bündel mit Räucherstäbchen. Eine buddhistische Nonne entdeckt uns in der Pilgerschar, wirft sich neben den Kindern auf die Knie, verbeugt sich vor Buddha und bedeutet den beiden, es ihr nachzumachen. Mit der Seilbahn, übrigens made in Austria, waren wir auf den Gipfel Buddhas gegondelt, über 1060 Stufen klettern wir nun nach dem Tempelbesuch auf der anderen Seite des Berges wieder hinunter. Sogar Theodor und Rosa, üblicherweise für Panoramen eher unempfänglich, sind hingerissen von der schönen Aussicht - und zwar in jeder Beziehung. Schließlich haben wir nun einen der Sandstrände ganz für uns allein. „Besuchen wir morgen bitte wieder einen Tempel?”, überraschen uns die Kinder beim Abendessen - übrigens Moräne. Mit Stäbchen. Sie mögen das Essen. Die Kultur. Und das mit der Sprache, das wird schon noch.



Ein Kommentare zu diesem Beitrag. to “China: Lost in Translation”

  1. frank schacht sagt:

    hallo aus shanghai ,

    sehr interessant, der artikel.

    gruss

    frank schacht

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