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20
Mai

Peter Pongratz: Wellenbewegung im Wunderland

Das Essl-Museum ehrt den Maler Peter Pongratz, der am 22. Mai seinen 75. Geburtstag feiert, mit einer umfangreichen Retrospektive. Zu sehen sind Werkgruppen aus fünfzig Jahren. Rund ein Drittel der Bilder stammen aus der Sammlung Essl .

Längere Zeit das Gleiche machen? Tödlich langweilig: “Außerdem werden die Bilder schlechter, wenn man sich fadisiert.” Der österreichische Maler Peter Pongratz, das zeigt die Retrospektive im Essl-Museum, ist kein Wiederholungstäter, “wenngleich ich nicht behaupten wollte, dass ich mich nicht hin und wieder selber spranz’. Es gibt natürlich einige Prototypen, die ich variiere. Aber ich kenne viele Künstler, auch meiner Generation, die zwei Prototypen entwickeln und ein ganzes Leben lang darauf herumreiten. Das könnte ich nicht.”

Gegenständlich und abstrakt; malerisch und grafisch; prächtig bunt und schwarz-weiß; Eitempera und Acryl; mit Kohle zwischen die Farbwogen gekritzelte Kringel, Wortfetzen und Liedtexte; bedrohlich und lieblich, hässlich und schön; Paraphrasen auf Heiligenkitsch, bittere Anklagen gegen den Krieg auf dem Balkan - alles, nur kein Dogma.

Keine Vorschriften, keine Moden, keine Ideologien, keine Rezepte, vor allem kein Akademismus: So lautete auch das Credo einer 1968 gegründeten Künstlergruppe, die sich “Wirklichkeiten” nannte und der neben Pongratz noch Martha Jungwirth, Wolfgang Herzig, Kurt Kocherscheidt, Franz Ringel und Robert Zeppel-Sperl angehörten. Aber dann gab es ja doch ein paar Regeln und Rezepte, nämlich: nicht zu malen wie die Wiener Phantastischen Realisten; und auch nicht tachistisch so wie die informellen Kollegen.

Logik der Werkgruppen

Dabei begann auch Pongratz, der schon im zarten Alter von zehn Jahren seinen Eltern beschied, Künstler werden zu wollen, zunächst informell. Doch bald wollte er mehr. Mehr Freiheit. Mehr Experiment. Er war beeindruckt von der Malerei des US-Amerikaners Cy Twombly und dessen grenzüberschreitendem Vokabular.

Dort wollte er anschließen, weitermachen, darüber hinauswachsen. Lob der Schizophrenie aus dem Jahr 1965, seine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Twomblys Ikonografie und folglich eines seiner Schlüsselwerke auf dem Weg in die künstlerische Freiheit, ist auch in Klosterneuburg ausgestellt.

Pongratz, der in jungen Jahren als Schlagzeuger jazzte, beschäftigte sich mit Art brut, mit der Kunst Geisteskranker und mit der Künstlergruppe Cobra, die den Expressionismus mit den Stilmitteln des Informel zu erneuern trachtete. Er wollte weder abstrakt noch nach der Natur malen, sondern - kindgleich - ausschließlich nach dem Gefühl, der Fantasie. Seelenmalerei - Soulpainting - heißt denn auch ein Zyklus aus den Jahren 1982 bis 1992.

Die Schau, die in enger Kooperation des Kurators Günther Oberhollenzer mit Künstlergattin Elisabeth Pongratz entstand, folgt keiner Chronologie, sondern einer nach Werkgruppen geordneten Logik, einer Art Wellenbewegung der unterschiedlichen Stile und Themen: (Selbst-) Porträts, Landschaften, Kinderlieder, Arkadien, Alice in Madland, Blumen , Landschaften, Köpfe und Körper.

Mensch- und Tierwesen

Auftakt macht der unter dem Titel One Morning in May zusammengefasste jüngste Zyklus (2011 bis 2015): form- und farbexpressive Großformate, bevölkert von Medusen und Flugobjekten, Mensch- und Tierwesen, absonderlichen Dingen, Pflanzen.

Gleich anschließend The Gentle Tasady (1975-81): Beispiele einer mitunter an Max Ernst erinnernden früheren Werkgruppe.

“In den 1960ern berichteten Zeitungen von einem Steinzeitstamm, der auf den Philippinen entdeckt worden sei und der sich von Kaulquappen und Käfern ernährte. Es stellte sich heraus, dass dies eine wilde Zeitungsente war. Aber mich hat diese Art von primitiver Kunst immer interessiert.” (Andrea Schurian, DER STANDARD, 27.3.2015)

Bis 7. 6.; weitere Ausstellungen im Essl-Museum: “Aboriginal Art” (bis 16. 8.) sowie “Die wilden Jahre”: Österreichische Kunst der 1980er-Jahre (bis 31. 5.)



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