Kunstmesse in Wien: “Wir können jetzt nicht so tief fallen” | Andrea Schurian Schurian,Andrea+Schurian,

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07
Mai

Kunstmesse in Wien: “Wir können jetzt nicht so tief fallen”

Kunstmesse als eine Art Entertainment: Noch im Vorjahr herrschte vergnügte Goldgräberstimmung. Die Geschäfte mit der Kunst florierten, die Preise explodierten, Sammler und Kuratoren befanden sich auf einer schier nie enden wollenden Kunstmessen-Welttournee mit Zwischenlandung in Wien. “Die Künstler sind zu Unterhaltern der Reichen geworden”, hatte Edek Bartz, der künstlerische Leiter der Wiener Kunstmesse Viennafair, damals den internationalen Kunstkauf- rausch kommentiert. Nun herrscht leichte Katerstimmung. Die Feierlaune hat sich, vorsichtig ausgedrückt, ein wenig gelegt. “Auf die frieze in London kamen früher die Jungs von der Wallstreet zum Kunstshoppen. Aber die sind jetzt ohne Jobs und fallen aus. Das merkt man natürlich. “Aber”, sagt Edek Bartz zuversichtlich, “wir waren nie so hip. Dafür können wir jetzt auch nicht so tief fallen.”

Die Zeit der schicken Kunstmesse-Parties ist - derzeit jedenfalls - vorbei. Das Ende der Kunstmessen-Ära befürchtet er nicht: “Die Messen werden sich verändern müssen, dezenter werden, ernsthafter sein. Die Leute, die sich wirklich für Kunst interessieren, die großen Sammler, die wollen kein Entertainment, sondern Seriosität.”

In einer Krisenwelt voller Kunstmessen ist es zwar verdammt hart, unter den Besten zu sein, doch Wiens Alleinstellungsmerkmal ist die Fokussierung auf den osteuropäische Raum: 29 von insgesamt 122 Galerien kommen aus Mittel- und Osteuropa. Ermöglicht wird das - auch - durch das großzügige Sponsoring der Erste Bank. Denn Kunstmessen sind ein teures Vergnügen, vielleicht auch deshalb sind drei Italiener, ohne abzusagen, daheim geblieben: Knapp 8000 Euro kostet der kleinste Stand, Nebenkosten wie Nächtigungen und Kundenbetreuung natürlich nicht inkludiert. “Die Veranstaltung ist mit 1,2 Millionen Einnahmen und ebenso vielen Ausgaben ein Nullsummenspiel”, sagt Matthias Limbeck, Geschäftsführer bei Reed Messe Wien.

Die öffentlichen Fördergelder (je 30.000 Euro von Bund und Stadt Wien) nennt er “Alibimaßnahmen”. Gemeinsam mit Privatsponsorengeldern kommt die Viennafair in ihrem fünften Jahr auf 150.000 Euro. Zum Vergleich: die Pariser Fiac lukriert fast eine Million zusätzlich. So viel bräuchte man in Wien gar nicht, sagt Limbeck, aber wenigstens das Doppelte von heuer.

“Curated by” - die Gemeinschaftsaktion von 18 Galerien wird von der Wiener Kreativförder-Agentur Departure finanziert, die auch die Panel-Diskussionen auf der Viennafair sponsert - sieht er deshalb mit einem lachenden und einem weinenden Auge: “Es wäre vernünftiger, alle Kräfte und Gelder aus öffentlicher und privater Hand zu bündeln, um etwa mit einer Sonderausstellung die Wertigkeit der Messe zu steigern.”

Weshalb ihm zur Geldbeschaffung ein Viennafair-Freunde-Verein vorschwebt. Egal, wie die Geschäfte heuer laufen. Oder besser gesagt: erst recht. Bis 10.5., Messe Wien

Veröffentlicht am 7.5.2009 im  Standard

 



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