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12
Mrz

Verbot von Killerspielen

“Vergletscherung der Gefühle” nennt Regisseur Michael Haneke jenen soziopathischen Ausnahmezustand, wenn Killergames, Horrorschund, Videoschrott und TV-Trash ihre Faszination verlieren. Wenn man “es” sehen will: die Angst, das Leiden, Krepieren, letztes Röcheln in echt, Tod auf Augenhöhe. Wenn der Ego-Shooter zum ganz realen Massenmörder wird.

Gewaltvideospiele hinterlassen, wie eine Studie der Radiological Society of North America belegt, nachweisbare Spuren im menschlichen Gehirn und stimulieren besonders jene Regionen, die für emotionale Erregung zuständig sind, während sie gleichzeitig die Aktivitäten in Regionen der Selbstkontrolle vermindern. Sicher: Nicht jeder, der virtuell schießt, will auch im wirklichen Leben jemanden umbringen. Da bedarf es noch anderer Zutaten wie einer labilen Psyche, väterlichen Einzelunterrichts im Waffengebrauch, frei herumliegender Pistolen im Elternschlafzimmer.

Aber selbst Wissenschafter, die einem Verbot von Killergames skeptisch gegenüberstehen, geben zu: Computerspiele dienen der Systematisierung und Speicherung wichtiger Erfahrungen mit der Welt und sich selbst. Was genau lernt man also am virtuellen Schießstand? Kaltblütigkeit? Die Brachiallösung von Konflikten? Dass in einer undemokratischen Machowelt das Recht des Stärkeren gilt? Dass Schießwut aus einem verkorksten Ego einen Helden machen kann?

Verbotsgegner argumentieren, dass Counterstrike nicht nur für Kinder, sondernsondern auch für Erwachsene attraktiv ist. Ja und? Das macht den Schund nicht besser. Weg damit!

 

Veröffentlicht am 12.3.2009 im Standard



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